Montag, 4. August 2014

Hellchens 100 Lieblingsorte ~ 06 - Castelfeder, Südtirol


Was diesen Ort besonders macht:

Südtirol ist ein Paradies, aber es ist mehr als das; es ist eine Notwendigkeit. Einmal dortgewesen braucht man dieses Land, die Berge, die Seen, diese einzigartige Schönheit wie die Luft zum Atmen. Die Wochen nach dem letzten Besuch vergehen, werden zu Monaten, und die Sehnsucht wird so groß, dass man die Tage zählt, bis man endlich wieder zurückkehren kann. Und dann ist es so weit! Aber wohin zuerst gehen, wo anfangen? Ein Ort, ohne den kein Südtirolbesuch komplett ist, ist dieser: Castelfeder.

 Nicht umsonst ranken sich um Südtirols atemberaubende Landschaft zahllose Mythen und Sagen - es ist nicht schwer, dort an mit silbernem Mondlicht besponnene Berge, an versteinerte Puppen, von Zwergen verzauberte Rosengärten und an Seen aus geschmolzenem Regenbogen zu glauben. Man glaubt es, weil man es spürt, besonders stark an Kraftorten wie Castelfeder. Eine Wanderung durch die einmalige Landschaft lädt einen mit jedem Schritt, mit jedem Atemzug auf wie eine Batterie. Nicht umsonst haben sich seit jeher Menschen auf Castelfeder niedergelassen! Es finden sich prähistorische, römische und frühmittelalterliche Siedlungen auf diesem Hügel, der inmitten des Südtiroler Unterlandes liegt und der, flankiert von riesenhaften Bergen zu beiden Seiten, fast klein wirkt.

Nicht nur die Ruinen vergangener Zeiten, auch die Vegetation dieses Arkadien Südtirols ist etwas ganz Besonderes. Castelfeder ist ein geschütztes Biotop mit Weihern und Mooren, kargem Steppenrasen und Porphyrfelsen, die zum Klettern einladen, mit kleinblättrigen Flaumeichen und zahllosen Blümchen, Schmetterlingen, Grashüpfern, Eidechsen. Aber auch größere Tiere finden sich eigentlich bei jedem Besuch. Mal kuscheln Schafe in der Kapellenruine, mal tollen Haflingerfohlen auf den Hängen, mal grasen Ziegen oder Kühe. Castelfeder ist ein Ruhepol, eine kleine Alltagsflucht und damit ist es letztlich die Essenz von Südtirol: Ein magischer Ort, der einen tief berührt und, einmal besucht, nie wieder loslässt.
Nicht verpassen!


 Es gibt mehrere Parkmöglichkeiten, von denen aus man nach Castelfader starten kann, je nach gewünschter Länge der Wanderung. Wir fahren über Neumarkt und Auer und folgen der Beschilderung ins Fleimstal. Hinter dem Tunnel halten wir in einer kleinen Bucht und folgen einem Rundpfad. Keine Eile - wir haben Zeit, um Castelfeder auf uns wirken zu lassen.

Wir finden Überreste einer byzantinischen Schutzmauer - die so genannten Kuchelen, einst zum Schutz gegen die Germanen errichtet. Aus dem 6. Jahrhundert stammt die Barbara-Kapelle, in deren Mauerviereck gerne die weidenden Tiere Unterschlupf suchen. Durch die Fenster der Ringmauer bietet sich ein überwältigender Blick ins Etschtal bis hin zur Salurner Klause. Der perfekte Platz für ein Picknick! Und noch eine Besonderheit findet sich hier: Die Fruchtbarkeitsrutsche, ein glatt poliertes Felsenstück, das angeblich Kindersegen bringen soll, auf jeden Fall aber das Vergnügen einer kurzen Rutschpartie.

 Ebenso schön wie ein wenig gruslig: Der Wurmsee, in den sich einst Menschen stellten, bis sich Blutegel an ihren Beinen festgesaugt hatten, um diese dann an Mediziner verkaufen zu können. Das Hochmoor bildet einen faszinierenden Kontrast zu der mediterranen Trockenlandschaft. Wie ruhig es hier oben ist, während zu unseren Füßen das ganz normale Leben weitergeht! Über raue Felsen und Treppchen, vorbei an knorrigen Eichen und mit den Augen stets auf den hundert kleinen bunten Wundern am Wegesrand wandern wir langsam zurück zum Ausgangspunkt. Kraft tanken, die besondere Stimmung auf sich wirken lassen und jeden Schritt genießen - den Zauber Castelfeders kann man nicht beschreiben, man muss ihn erleben.

Kommentare:

  1. Meine liebe Tochter,

    dein Südtiroler Opa hätte sich jetzt ganz arg gefreut über deinen so berührend geschriebenen Bericht über Castelfeder. Es ist, als würde man selbst die schmalen Pfade hochwandern, vom Zauber dieses Ortes völlig gefangen! Ich gebe dir Recht in allem, was du über diesen Kraftort schreibst. Ohne Castelfeder zu kennen, hätte man diese Landschaft Südtirols, Überetsch, nicht erlebt.
    Ich freue mich, ganz bald wieder mit dir von dort oben herunter zu schauen!

    deine Mama

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    1. Ja und ich wünsche euch Allen eine wudnerschöne Woche mit vielen tollen Eindrücken. Prima Wetter vor allen Dingen, dass die Wanderschuhe auch ordentlich qualmen können! Also, am SA eine grandiose Fahrt!!!!!

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